Was Südkorea Europa über die Besteuerung von Nikotin lehren kann

Südkorea besteuert Nikotinbeutel mehr als viermal so hoch wie eine Packung Zigaretten. Neuer Bericht von Smoke Free Sweden vergleicht die Ergebnisse dieses Ansatzes mit denen Schwedens, und die Zahlen sprechen für sich. 

Schweden hat im letzten Jahrzehnt seine Raucherquote drastisch gesenkt und ist damit das erste rauchfreie Land der Welt geworden. Dies gelang durch eine deutlich mildere Besteuerung und Regulierung rauchfreier Alternativen im Vergleich zu Zigaretten. Südkorea verfolgte den gegenteiligen Ansatz: Die tägliche Raucherquote stagniert dort bei 15,31 TP4T, fast dreimal so hoch wie in Schweden, und das Rauchen fordert dort immer noch jährlich über 68.000 Todesopfer. 

Die Logik ist einfach: Wenn ein sichereres Produkt deutlich teurer ist als das tödliche, das es ersetzen soll, werden die Menschen weiterhin das billigere, aber gefährlichere Produkt kaufen. Genau das passiert in Korea. Politiker, die nicht zwischen brennbaren und nicht brennbaren Produkten unterscheiden, schützen nicht die öffentliche Gesundheit, sondern behindern sie. 

Eine auf falscher Gleichsetzung beruhende Verordnung

Die Gleichbehandlung der Besteuerung ist kein Fehler, sondern Ausdruck eines umfassenderen regulatorischen Handlungsspielraums. Nach dem koreanischen Tabakgesetz werden Tabakerzeugnisse und rauchfreie Produkte im Wesentlichen gleich eingestuft und behandelt. Nikotinbeutel unterliegen denselben Beschränkungen hinsichtlich Marketing, Einzelhandel und Vertrieb wie Zigaretten. Die Werbung ist streng kontrolliert, die Vertriebskanäle sind begrenzt und der Online-Verkauf gänzlich verboten. Dadurch wird genau die Art von Zugang und Aufklärung der Verbraucher unterbunden, die schwedischen Rauchern den Umstieg erleichtert hat.

Die Zahlen verdeutlichen die Kosten. Koreas offizielles Ziel ist es, die Raucherquote bis 2030 auf 251 % bei Männern und 41 % bei Frauen zu senken. Aktuelle Trends deuten jedoch darauf hin, dass dieses Ziel im Rahmen der bestehenden Rahmenbedingungen nicht erreichbar ist. Allein die geschlechtsspezifische Diskrepanz ist eklatant: 26,81 % der Männer rauchen täglich, verglichen mit 3,81 % der Frauen. Laut Bericht spiegelt diese Diskrepanz wider, wie ungleichmäßig die derzeitigen Produkte und Botschaften die verschiedenen Rauchergruppen erreichen. Gleichzeitig sind die durch das Rauchen verursachten Gesundheitskosten in Korea auf fast 3,4 Milliarden US-Dollar pro Jahr gestiegen, obwohl sich die Raucherquote kaum verändert hat.

Die Empfehlungen des Berichts für Korea lesen sich wie eine Checkliste für die Maßnahmen, die die Verhandlungsführer der Tabaksteuerrichtlinie in Brüssel und die Beamten der Europäischen Kommission, die an der Aktualisierung der Tabakproduktrichtlinie arbeiten, ergreifen sollten: von einer harmonisierten zu einer risikogerechten Besteuerung übergehen, Nikotinbeutel als eigenständige, weniger schädliche Kategorie behandeln, anstatt sie standardmäßig in die Tabakvorschriften einzubeziehen, und durch Aufklärungskampagnen im Bereich der öffentlichen Gesundheit das Bewusstsein für den Umstieg schärfen, anstatt die Risikounterschiede zu verwischen. Genau diesen Weg hat Südkorea nicht eingeschlagen, und genau von diesem Weg entfernen sich auch einige EU-Vorschläge.

Warum das südkoreanische Beispiel für die EU von Bedeutung ist

Europa steht derzeit vor der Entscheidung, ob es denselben Weg einschlagen will, und zwar nicht nur in Steuerfragen. Die Tabaksteuerrichtlinie, über die der Rat noch verhandelt, wird die Besteuerung von E-Zigaretten, Nikotinbeuteln und Tabakerhitzern in den EU-Mitgliedstaaten im Vergleich zu Zigaretten für die kommenden Jahre regeln. Der vorliegende Vorschlag sieht vor, diese Produkte steuerlich mit Zigaretten gleichzustellen oder sogar höher zu besteuern: genau das System, das Korea derzeit ausbremst.

Die Überarbeitung der Tabakproduktrichtlinie wirft dieselbe Frage aus regulatorischer, nicht aus fiskalischer Sicht auf. Die sich entwickelnde Debatte erinnert an die Politik, die Koreas Tabakgesetz prägte: Jedes Nikotinprodukt wird so behandelt, als berge es dasselbe Risiko wie eine Zigarette, unabhängig davon, ob es verbrannt wird oder nicht. Korea zeigt, wohin diese Vorgehensweise führt: zu stagnierendem Fortschritt, steigenden Gesundheitskosten und Rauchern, die immer weniger Anreiz zum Umstieg haben.

Schweden zeigt die Alternative auf, die bereits in der EU praktiziert wird. Im Dezember 2024 überarbeitete das schwedische Parlament seine nationale Tabakstrategie, um nicht nur den Konsum, sondern auch die Schäden zu bekämpfen. Gleichzeitig wurden die Tabaksteuern auf Snus gesenkt und auf Zigaretten erhöht. Das Ergebnis: die niedrigste Raucherquote und die geringste tabakbedingte Krankheitslast in Europa.

Steuern und Regulierung entscheiden gemeinsam darüber, welches Produkt günstiger, leichter erhältlich und verständlicher ist; und das wiederum entscheidet darüber, was Raucher kaufen. Korea hat die Anreize falsch gesetzt. Schweden hat sie richtig gesetzt. Die EU steht derzeit vor der Wahl zwischen diesen beiden Modellen. Sie sollte sich für das schwedische entscheiden.

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