Afrikas Raucherverhalten ändert sich – die Politik nicht.

Zu Beginn des Jahres 2026 vollzieht sich in Afrika ein stiller Wandel. Erwachsene Raucher verändern ihr Nikotinkonsumverhalten, doch die Politik hinkt hinterher.

Von Nairobi bis Johannesburg und von Lagos bis Accra sind rauchfreie Nikotinalternativen, insbesondere orale Nikotinprodukte und E-Zigaretten, auf informellen Märkten, im Internet und im grenzüberschreitenden Handel immer präsenter. Dieser Wandel wird nicht durch Werbekampagnen oder Druck der Industrie vorangetrieben. Er ist vielmehr verbraucherorientiert und wird durch steigende Zigarettenpreise, die Zunahme rauchfreier Umgebungen und das wachsende Bewusstsein für die Gesundheitsrisiken des Rauchens geprägt.

Doch während sich das Konsumverhalten weiterentwickelt, bleibt die Tabakkontrollpolitik in weiten Teilen Afrikas auf einen reinen Zigarettenrahmen beschränkt.

Gesetze, die für eine andere Zeit entworfen wurden

Die meisten afrikanischen Tabakgesetze wurden vor über einem Jahrzehnt verfasst, als Zigaretten den Nikotinkonsum dominierten und nicht-verbrennbare Alternativen in politischen Diskussionen kaum eine Rolle spielten. Der regulatorische Schwerpunkt war klar: Reduzierung der Raucherquote durch Werbeverbote, Beschränkungen des öffentlichen Gebrauchs und Verbrauchssteuern.

Im Jahr 2026 werden dieselben Gesetze so weit ausgedehnt, dass sie auch Produkte abdecken, für deren Regulierung sie nie gedacht waren.

Orale Nikotinprodukte werden oft standardmäßig als Tabak eingestuft, wie Zigaretten behandelt oder befinden sich in einer rechtlichen Grauzone. In manchen Ländern sind sie faktisch verboten; nicht etwa aufgrund eindeutiger Beweise für Schädlichkeit, sondern weil die Gesetzgebung sie überhaupt nicht erfasst.

Dieser regulatorische Rückstand ist längst kein rein technisches Problem mehr. Er prägt die Märkte, die Herausforderungen bei der Durchsetzung der Vorschriften und die Auswirkungen auf die öffentliche Gesundheit auf dem gesamten Kontinent.

Die Verbraucher sind der Regulierung einen Schritt voraus.

Trotz rechtlicher Unsicherheit steigen erwachsene Konsumenten bereits auf orale Nikotinprodukte um. Diese sind diskret, rauchfrei und mit den immer strengeren Rauchverboten in der Öffentlichkeit vereinbar. Für viele Nutzer stellen sie eher eine praktische Anpassung als ein politisches Statement dar.

Da sich die Regulierung jedoch nicht weiterentwickelt hat, findet dieser Wandel größtenteils außerhalb formaler Systeme statt.

Produkte gelangen ohne standardisierte Kennzeichnung, Angabe der Inhaltsstoffe oder Qualitätskontrollen auf den Markt. Regierungen erheben kaum Daten, setzen keine einheitlichen Altersbeschränkungen durch und erzielen keine Steuereinnahmen mit Produkten, die bereits weit verbreitet sind. Die Aufsicht fehlt nicht aufgrund schwacher, sondern aufgrund fehlender Regulierung.

Das Ergebnis ist eine zunehmende Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Nikotinkonsum und dessen rechtlicher Regelung.

Warum das in Zahlen wichtig ist

Die Tragweite der Situation ist nicht abstrakt. Tabakkonsum zählt weiterhin zu den häufigsten vermeidbaren Todesursachen in Afrika und trägt jährlich zu Hunderttausenden Todesfällen bei. Zudem belastet er die ohnehin schon überlasteten Gesundheitssysteme langfristig. Gleichzeitig wird geschätzt, dass der illegale Tabakhandel in mehreren afrikanischen Ländern 15 bis 25 Prozent des Zigarettenkonsums ausmacht. Dies entzieht den Regierungen erhebliche Steuereinnahmen und untergräbt die Bemühungen zur Durchsetzung der Gesetze. Wo neue Nikotinprodukte verboten oder nicht reguliert werden, zeichnen sich bereits ähnliche Muster ab: informelle Lieferketten, fehlende Produktstandards und keine Altersbeschränkungen. Für die Politik bedeutet dies ein bekanntes und kostspieliges Versagen, das sich nun in einer neuen Produktkategorie wiederholt.

Auch andere Regionen standen vor ähnlichen Herausforderungen und trafen unterschiedliche Entscheidungen. In Teilen Europas erkannten die Regulierungsbehörden, dass nicht-verbrennbare Nikotinprodukte einer gesonderten Regulierung bedürfen. Anstelle von pauschalen Verboten führten sie Produktstandards, Altersbeschränkungen, Marketingkontrollen und differenzierte Steueransätze ein. 

Ziel war nicht Deregulierung, sondern Verhältnismäßigkeit: Produkte sollten risikogerecht reguliert und gleichzeitig die Aufsicht aufrechterhalten werden. Afrika muss diese Modelle nicht eins zu eins übernehmen. Doch das Prinzip der Risikodifferenzierung völlig zu ignorieren, birgt die Gefahr, Fehler zu wiederholen, die bereits dokumentiert wurden.

Der Konsum durch Jugendliche wird häufig als Hauptgrund für die Einschränkung oder das Verbot oraler Nikotinprodukte angeführt. Der Schutz junger Menschen ist ein legitimes politisches Ziel. Die Vermischung von Schadensminderung bei Erwachsenen und Prävention bei Jugendlichen untergräbt jedoch beide Ziele.

Die Erfahrung zeigt, dass der Jugendschutz dort am stärksten ist, wo Märkte reguliert und nicht in den Untergrund getrieben werden. Altersverifizierung, Einzelhandelslizenzen, Strafen bei Nichteinhaltung und Beschränkungen für jugendorientiertes Marketing hängen allesamt von der rechtlichen Anerkennung des Marktes ab.

Im Jahr 2026 geht es in der Debatte nicht mehr darum, ob orale Nikotinprodukte afrikanische Konsumenten erreichen werden. Das sind sie bereits. Die eigentliche politische Frage ist, ob diese Produkte innerhalb oder außerhalb regulatorischer Rahmenbedingungen existieren werden.

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